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Seetagebuch U32 10.2. - 13.3.2013

Regelmäßig berichten die Soldaten hier im Seetagebuch über die Besonderheiten, aber auch über das ganz Alltägliche ihrer großen Fahrt und dem Manöver vor der amerikanischen Ostküste.

Auf Sehrohrtiefe

Auf Sehrohrtiefe (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

13. März 3013 - U32 Horchis statt Guckis

Wussten Sie eigentlich, welche die längste Einheit der Deutschen Marine ist? Unser Uboot. Klingt komisch, ist aber so. Neben einer Vielzahl weiterer Sensoren an Bord besitzen wir ein ein- und ausfahrbares Schleppsonar, unser Towed Array Sonar System, kurz TASS. Mit diesem können im tieffrequenten Bereich sehr leise Fahrzeuge, wie z.B. andere Uboote, detektiert werden. Mit voll ausgebrachtem TASS hat "U 32" dann eine Länge von über 450 Metern.

Heute haben wir unser TASS, liebevoll ‚Schlange‘ genannt, ausgebracht, um unser Personal für das vor uns liegenden Vorhaben zu trainieren und zu qualifizieren. „U 32“ besitzt eine umfangreiche Sensorausstattung zur Detektion und Klassifizierung von Geräuschen sowie zur Ermittlung der Umweltbedingungen. Sonar ist unser Ohr, ohne dass wir getaucht nicht wüssten, was über Wasser passiert. Die Sonarbedienung gehört nicht nur zu den wichtigsten, sondern auch zu den umfangreichsten Aufgaben an Bord. Demzufolge ist der Sonarabschnitt auch der größte. Zum Abschnitt von Kapitänleutnant Nickelsdorf, dem II. Wachoffizier, gehören der Sonaroffizier Leutnant zur See Klejdzinski sowie drei Sonarmeister und vier Sonarunteroffiziere. Leutnant zur See Klejdzinski ist als Akustikverantwortlicher an Bord, nicht nur für die gesamte Sensorik zum Auffassen von anderen Fahrzeugen verantwortlich, sondern in Zusammenarbeit mit der Schiffstechnik auch für die eigene Geräusch- und Signaturreduzierung. In der Steuerbordwache, ist er der Sonarchef, der den Einsatz der verschiedenen Sonarsysteme koordiniert und den Lageoffizieren bei der Erstellung des Überwasserlagebildes zu arbeitet.

Unterstützt wird er von dem Sonarmeister III, Oberbootsmann Buhtz, sowie seinen beiden ‚Horchern‘ Obermaat Kollmann und Obermaat Sevenich. Sein Pendant in der Backbordwache ist der Sonarmeister I, Oberbootsmann Pahl, der als Sonarchef seiner Wache die gleichen Aufgaben wie der SonO wahrnimmt. Seine Sonaroperateure sind der Sonarmeister II, Hauptbootsmann Rösemann, sowie die Obermaate Siebel und Lawida, die Augen und Ohren, die die Unter- und Überwasserwelt überwachen. Zwar werden alle Geräusche über die Signalverarbeitung auf den Bildschirmen der Konsolen dargestellt, allerdings zählt der akustische Eindruck immer noch am meisten. Um einen alten Recken dieses Bootes zu zitieren: ‚Meine Jungs sind Horchis, keine Guckis‘. Dies gilt insbesondere um unsere ständig präsenten Begleiter wie Delfine und Wale von für uns interessanten Fahrzeugen zu unterscheiden.

Bis Mayport sind jetzt nur noch sechs Tage. Für die Raucher zählt aber eine andere Zeitrechnung: nur noch fünf bis zur ersten ‚Kippe‘ nach über 19 Tagen. Doch vorher steht Morgen noch eine Übung mit unserem Begleitschiff, dem Tender "Main", und auch eine 36 Stunden Übung mit den Fliegern der US Navy an. Mittag: Kassler mit Sauerkraut und Kartoffelpüree.

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12. Mäerz 2013 - U32 Neben den Bermudas

Heute müssen wir uns einer großen Versuchung stellen. Wir befinden uns circa 40 Seemeilen nördlich der Bermudas und nach zwei Wochen auf See und ohne Sonnenlicht, malt sich der eine oder andere bereits einen kurzen Schlenker nach Backbord aus. Das wir überhaupt so weit gekommen sind, ist neben den gestern beschriebenen Bordelektrikern, auch unseren Motorentechnikern, kurz Motis, zu verdanken. Chef des Mot-Abschnitts ist Oberbootsmann Wagner, der auf dieser Fahrt unser langjähriges Besatzungsmitglied, Hauptbootsmann Pescheck vertritt, den die gesamte Besatzung an dieser Stelle herzlichst grüßt.

Die einzige Möglichkeit, neben der schon erwähnten ‚Raupe‘ Strom zu erzeugen, ist unser Dieselmotor, der über einen Generator die Batterie speist. Zu den Aufgaben unseres Mot-Meisters gehört aber nicht nur die Pflege und Wartung unseres Diesels, aller Pumpen und Sicherheitseinrichtungen, sondern auch die Verantwortung für das bordeigene ‚Klärwerk‘, was jetzt zugegebenermaßen etwas dick aufgetragen ist. In der Backbordwache nimmt er als Tiefensteuerleiter und Wachleiter Schiffstechnik die gleichen verantwortungsvollen Aufgaben, wie sein Steuerbordäquivalent, der E-Meister wahr. Unterstützt wird er bei der Wahrnehmung dieser vielfältigen Aufgaben von unseren beiden Mottis, Obermaat Zörner und Hillmann. Herzstück und Liebling des Mot-Abschnittes ist natürlich der kraftstrotzende, knapp 1.500 PS starke V16 Dieselmoter,der liebevoll gehegt und gepflegt wird. Tja, Diesel müsste man sein… Mittag: Rumpsteak mit Spitzkohlgemüse und Kartoffelrösti.

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Eine Herausforderung - die Technik im Uboot

Eine Herausforderung - die Technik im Uboot (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

11. März 2013 - U32 E-Abschnitt?

Was macht eigentlich der Abschnitt Schiffelektrotechnik, kurz E-Abschnitt? Da auch bei uns der Strom nicht nur aus der Steckdose kommt, benötigen wir sozusagen unser eigenes kleines Kraftwerk, um so lebenswichtige Sachen wie unseren Antriebsmotor und die Playstation vom Funker zu betreiben. Dass wir nun schon wieder über 24 Stunden auf Tiefe sind, ohne Sehrohrtiefe ansteuern zu müssen, ist unserer ‚Raupe‘ (Brennstoffzelle) zu verdanken. Dementsprechend ist die Pflege und Wartung der selbigen die wichtigste Aufgabe unseres E-Meisters, Hauptbootsmann Babinsky, und seiner beiden Elektrotechnikmaaten, kurz Emis, Obermaat Bollmann und Fiebiger.

Doch damit nicht genug, da an Bord eines Ubootes nicht nur Platz, sondern auch Personal begrenzt ist, bleibt kein Raum für „Fachidioten“. Neben den originären Aufgaben als Haus- und Bordelektriker, die vom Betreiben der modernen Brennstoffzelle, über die Verantwortung für das Bordnetz, bis zum Wechseln von Lampen reichen, sind unsere ‚Heizer‘ echte Allrounder, die sich mit den gesamten schiffstechnischen Anlagen auskennen müssen. So ist Hauptbootsmann Babinsky, in der Steuerbordwache auch der Tiefensteuerleiter, der durch die Bedienung der Flut-, Trimm- und Lenzeinrichtung, dafür verantwortlich ist, dass das Boot genau die Tiefe erreicht und steuert, die von uns beabsichtigt ist.

Natürlich kommt auch die Büroarbeit an Bord nicht zu kurz. Neben der peniblen Dokumentation der Laufleistung der zu betreuenden Anlage, ist der E-Meister auch für die gesamt Ersatzteilversorgung des Bootes zuständig. Hier geht es aber völlig unelektrisch zu. Soviel erst mal zum Starkstromanteil unserer Heizerei. Morgen geht es mit den etwas handfesteren Jungs weiter. Mittag: Cordon Bleu mit Kroketten und sommerlichem Gemüse.

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Ohne Schuhe

Ohne Schuhe (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

10. März 2013 - U32 Im Auge des Tiefs

Nach zwei Tagen mit fünf Meter hohen Wellen befinden wir uns gerade bei absoluter Windstille mitten im Kern des Tiefdruckgebietes. Die für heute Abend angekündigte Rückseite des Tiefs bringt Wellen mit einer Höhe von über sieben Metern mit sich. Schnorcheln, um die Batterie zu laden, wird damit sehr ungemütlich und schwierig. Schon die zwei vergangenen Tage haben unsere Lenkstandsbediener und unser STO, Kapitänleutnant Jörg Werner, wieder zu kämpfen gehabt, um das Boot beim Schnorcheln auf Sehrohrtiefe zu halten. Zum Glück haben wir im Gegensatz zu unseren Kameraden auf dem Tender "Main", wie schon beim letzten Tief, die Möglichkeit, das schlechte Wetter tiefgetaucht zu umgehen. Die Tiefs, die uns in Regelmäßigkeit heimsuchen und den Nordatlantik aufwühlen, haben dann aber hoffentlich ein Ende, so dass der Rest des Transits bei schönem Wetter stattfindet. Drücken Sie uns die Daumen.

Für uns an Bord ist die Zeit auf Tiefe eine sehr angenehme Erholungspause, da man endlich ohne „Trommelfellgymnastik“ (vgl. 21.02.13) und ohne durchgeschaukelt zu werden, wieder ruhig durchschlafen kann. Die Vorfreude auf das erste Einlaufen in Florida und vor allem die anstehende Familienzusammenführung ist bei allen in der Besatzung spürbar, auch wenn die Ankunft der ersten Angehörigen noch neun Tage dauern wird. Es werden bereits die ersten Pläne für Ausflüge und Unternehmungen geschmiedet, zumal uns für den Zeitraum der Familienzusammenführung unsere Systemunterstützungsgruppe aus dem 1. Ubootgeschwader zur Hand geht und bei den im Hafen anliegenden Arbeiten entlastet. Wir melden uns also erst mal wieder ab in die weiten Tiefen des Atlantiks. Dann geht es aber, wie versprochen, frei nach dem Motto: „was macht eigentlich ein …“ an dieser Stelle weiter. Mittagessen: Hähnchenbrust mit Gnocchi an Gorgonzolasauce.

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9. März 2013 - U32 überflüssiger Schnick schnack

Heute früh um 07.26 Uhr haben wir die 50 Prozent Marke des Transits von Ponta Delgada nach Mayport/USA überschritten. Die Hälfte ist also geschafft, ansonsten gibt es aber heute nicht viel Neues von uns zu berichten. Da so ein Transit als durchaus und ja auch wünschenswerter Weise ereignislos verlaufen kann, möchten wir beginnen, Ihnen einzelne Abschnitte an Bord vorzustellen und näher zu bringen. Nach dem Motto „was macht eigentlich ein….“ stellen wir ihnen die Dienstposten und die dahinter stehenden Personen der Besatzung Delta vor. Zuvor stellt sich aber natürlich die Frage: Was für Menschen lassen sich freiwillig und gerne für mehrere Wochen in eine Stahlröhre bei einem Platzangebot mit gefühlten 20 Quadratmetern gemeinsam einsperren?

Eigenschaften, die nützlich sind, um keinen ‚Bordkoller‘ zu bekommen und gerne Ubootfahrer zu sein: Besenkammern erscheinen einem gemütlich und man erkennt das Potential des Raums; man fühlt sich nur im Rudel wohl und ist nicht gern alleine; tägliches Duschen erscheint einem als Zeitverschwendung, da man ja lieber schlafen kann; man schläft am liebsten mit angewinkelten Beinen und im Regal mit sechs anderen, weil das so schön gemütlich ist; Privatsphäre ist überflüssiger Schnick schnack; man teilt lieber alles und vor allem, wie Sie auch der Auflistung entnehmen können, braucht man eine gehörige Portion Humor. Wenn man alle diese Eigenschaften auf sich vereint und statt zum Psychiater lieber zur Marine möchte, hat man eine Gewisse Grundveranlagung, die einem den Einstieg in die Ubootfahrerei deutlich erleichtern. Weiteres folgt im Verlauf unseres Transits an die Ostküste der USA. Mittagessen: Sauerbraten mit grünen Bohnen und Klößen.

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U32 bei ruhiger See im Gegenlicht

U32 bei ruhiger See im Gegenlicht (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

8. März 2013 - U32 Unterwassernavigation

"U 32" befindet sich 670 Seemeilen vor den Bermudas mitten im Seegebirge der Corner Seamounts. Die Wassertiefen schwanken in diesem Gebirge von über 5.000 Meter bis auf eine Tiefe von nur noch 865 Metern. Zusätzlich wurde erst im Jahr 2003 eine „Bergspitze“ mit einer Wassertiefe von nur 5,5 Metern entdeckt. Mit diesem Wissen können wir ausreichend Abstand halten. Die einzige Möglichkeit in engen Gewässern unter Wasser zu navigieren ist mit Koppelnavigation und guten Unterwasserkarten, die in hoher Detailtiefe für den Atlantik kaum zur Verfügung stehen, aber bei sonst sehr großen Wassertiefen auf unserer Route auch nicht nötig sind. Des Weiteren stünde uns für die Unterwassernavigation unser Minenmeidesonar zur Verfügung. Das ist ein aktiver, durch andere Einheiten schwer zu ortender Sender, mit welchem wir Minen, aber natürlich auch Felsformationen, orten können. Zum Bespiel in Fjorden können wir so exakt navigieren und tiefgetaucht weit in diese einfahren, uns also quasi an der Felswand entlang hangeln. Vielleicht vergleichbar mit einem Blinden, der sich mit seinem Blindenstock an der Bordsteinkante orientiert. Ein solches Vorgehen erfordert viel Übung.

In ihrer Fjordlandschaft haben die norwegischen Ubootfahrer das Verfahren der Navigation mittels Sonar perfektioniert. So bezeichnen die norwegischen Ubootfahrer ihr Minenmeide- daher auch als Navigationssonar. Der Einsatz des Minenmeidesonars wird regelmäßig von uns geübt. Bei jedem Besuch des Ubootsimulators am Ausbildungszentrum Uboote steht eine Minenfeldpassage auf dem Programm, aber auch vor unserer „Haustür“ in der Eckernförder Bucht setzen wir das Sonar immer wieder zu Übungszwecken ein. Entscheidend beim Einsatz ist das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Positionen Kommandant, WOs, Sonar, Navigation und Schiffstechnik – Uboot fahren ist eine Teamleistung und auf keinen an Bord kann verzichtet werden. Mittagessen: Lachs im Speckmantel mit Spinatnudeln.

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5. März 2013 - ALAAARM

Heute ist Rollendiens(t)tag. Um „nur kein Moos anzusetzen“ werden heute wieder mehrere Wassereinbrüche und Feuer zur Übung bekämpft und auch das Tiefensteuern geübt. "U 32" befindet sich auf Sehrohrtiefe und schnorchelt als der vierte Wachoffizier, Leutnant zur See von Körber, plötzlich laut "ALAAAAARM!" brüllt.

Die komplette Besatzung reagiert sofort. Oberstes Ziel ist es, jetzt schnellstmöglich den für ein Uboot sichersten Verschlusszustand, den Tauchverschlusszustand, herzustellen. Das bedeutet, dass der Schnorchel, der den Diesel bis gerade eben noch mit Luft versorgt hat, über die Schnorchelklappen abgedichtet und abgestellt werden muss.
Nur wenige Sekunden später ertönt von achtern die kräftige Stimme vom Schifftechnischen Unteroffizier Hans-Jürgen Zörner: "Ist klar!" das Zeichen für alle, dass es jetzt wieder sicher ist, die Sehrohrtiefe zu verlassen.
Parallel meldet sich der zweite Wachoffizier, Kapitänleutnant Nickelsdorf, aus dem Vorschiff und meldet: "Die Freiwache ist wach und auf". Der IVWO befiehlt: "Schnell auf 40 Meter gehen". "U 32" schießt in die Tiefe und ist von der Wasseroberfläche verschwunden.
Wo vor einem Wimpernschlag noch Schnorchel und Sehrohr zu sehen waren, ist nur noch eine in der Welle verschwindende Schaumspur zu erkennen. Nicht einmal eine Minute hat das ganze gedauert. Von der Besatzung werden augenblicklich alle Bilgen- und Bordverschlüsse auf eventuelle Wassereinbrüche kontrolliert.
Der IVWO meldet: "An den Kommandanten, der Alarm wurde ausgelöst aufgrund eines simuliert aus Sonne angreifenden Seefernaufklärers". Diesmal war es also kein Ernstfall. Nichtsdestotrotz müssen der Ablauf und die schnelle Tiefenänderung immer wieder geübt werden, damit jederzeit alle Handgriffe sitzen.

Der Smutje hat trotz Alarmübung wieder ein Mittagessen gezaubert, Schnitzel mit Pommes und Champignonrahmsauce findet reißenden Absatz.

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4. März 2013 - U32 Der Draht zur Außenwelt

Besatzung Delta meldet sich wieder zurück. Es ist Montag; nach einem entspannten, tiefgetauchten Wochenende ohne Schnorcheln und dem damit verbundene Geschaukel auf Sehrohrtiefe, soll das Tiefdruckgebiet gemäß der Wettervorhersage nun vorüber sein. Der Funker, Obermaat Martin Meissner, bekommt, nachdem das Boot wieder Sehrohrtiefe steuert, viel zu tun. Alle Fernschreiben, die über das Wochenende nicht gesendet werden konnten, da "U 32" auf Tiefe ohne Fernmeldeverbindung ist, müssen jetzt nachgeholt werden. Als erstes eine Eilmeldung an das Marinekommando und an den Kommandeur des Verbandes, um unsere aktuelle Position mitzuteilen. Im Anschluss ein ausführlicher Lagebericht, um den Zustand von Boot und Besatzung sowie die weiteren Absichten zu melden.

Tiefgetaucht hat die Besatzung keinen Draht zur Außenwelt und kann daher nicht am Zeitgeschehen teilhaben. Jetzt werden vom Tender "Main" und vom Marinekommando wichtige Fernschreiben und auch die Presse an uns gesendet. Fragen, die in den vergangenen 48 Stunden die Besatzung beschäftigten, können ebenfalls beantwortet werden. Was ist in der Welt passiert? Gibt es Neuigkeiten aus Deutschland? Zudem will natürlich jeder in der Besatzung erfahren, wie sein Lieblingsverein am Wochenende gespielt hat. Deshalb stehen die Fußballergebnisse der Bundeliga immer besonders im Fokus. Geschürt wird die Neugier, da zur Zeit ein Tippspiel für die nächsten drei Bundesligaspieltage läuft und jeder wissen möchte, wer von der Besatzung gerade in Führung liegt. Mittagessen: Hüftsteak mit grünem Spargel im Speckmantel und Kartoffelecken.

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Steuerbordwache Delta

Steuerbordwache Delta (Quelle: PIZ Marine/U32)Größere Abbildung anzeigen

3. März 2013 - U31 Im Ökoofen ums Tief

Nachtrag: "U 32" ist nun seit mehr als 48 Stunden getaucht. Der außenluftunabhängige Antrieb, die Brennstoffzelle, bei der Wasserstoff und Sauerstoff reagieren und Energie erzeugen, macht seinem Namen alle Ehre. Die Brennstoffzelle sorgt absolut lautlos für Energie, weshalb die Anlage in Anlehnung an die Verfilmung des Tom Clancy Romans „Jagd auf Roter Oktober“ unter uns Ubootfahrern auch liebevoll Raupe genannt wird. Als Abfallprodukt der Brennstoffzellenanlage entsteht lediglich Wasser, deswegen wird sie auch ab und an als „Ökoofen“ bezeichnet. Ein Tief auf Tiefe zu umgehen, ist für die Besatzung einfach angenehm. Alle genießen die Ruhe und das völlige Fehlen der durch Seegang bedingten Eigenbootsbewegungen. Die Sonarteams der Steuerbord- und Backbordfahrwache unter der Leitung von Leutnant zur See Sven Klejdzinski und Oberbootsmann Christian Pahl haben mitten auf dem Atlantik schon seit mehreren Stunden keine Fahrzeuge mehr detektieren können.

Dennoch kommt keine Langeweile auf. Der zweite Wachoffizier (IIWO), Kapitänleutnant Kai Nickeldorf, hat ein kniffliges Fußballquiz zusammengestellt, welches die Besatzung beschäftigt. Denn zum Beispiel die Frage nach dem erfolglosesten Bundesligisten aller Zeiten können nur wenige beantworten. Oder wussten sie, dass Tasmania Berlin in der Saison 1965 nur zwei Siege erringen konnte? Auch die Vorfreude der Besatzung auf den ersten amerikanischen Hafen wächst zunehmend. In der Steuerbordwache finden regelmäßig kurze Englischunterrichte statt, bei denen unter Leitung des IWOs, wichtige Englischgrundlagen, wie eine Hamburger-Bestellung oder der Kauf einer Jeans, gefestigt werden. Aber auch die Aus- und Weiterbildung im taktischen und operativen Bereich kommt nicht zu kurz. So stellen sich die WOs der Fahrwache gegenseitig kurze Schulungsbriefe, die es zu beantworten gilt. Zur Freude aller hat der Kommandant am Sonntag zum Mittagessen für jeden ein Glas Rotwein genehmigt und im „Wort zum Sonntag“ in einer Durchsage zwei witzige Texte des Komikers Horst Evers vorgetragen, die jedem an Bord ein herzliches Lachen abgerungen haben. Solche Ereignisse sind für alle an Bord eine willkommene Abwechslung. Mittagessen: In Alufolie gedünstete Forelle in Zitronenbutter mit Reis.

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1. März 2013 - U32 Vor dem Tief in die Tiefe

"U 32" überquert heute den Mittelatlantischen Rücken und verlässt damit die Europäische Kontinentalplatte weiter. Die Dünung des Atlantiks lässt uns auf Sehrohrtiefe sanft hin und her wiegen. So kann das Wetter bleiben. Leider kündigt sich aber schon das nächste Tief mit Wellenhöhen von sieben Metern und mehr an. Ein guter Grund, dem Tief namensgleich auszuweichen. So, wie es nur ein außerluftunabhängiges Uboot kann, nämlich auf Tiefe. Das spart gleichzeitig auch ein wenig Wegstrecke. Unser Vize (Navigationsmaat), Obermaat Schütt, hat berechnet, dass wenn wir die gesamte Strecke von den Azoren nach Florida auf 200 Meter fahren würden, wir 159 Meter an Strecke sparen. Wir melden uns also erst mal ab. Der nächste Bericht folgt, wenn wir, bei dann bei besserem Wetter, auf Sehrohrtiefe gehen und wir damit wieder Fernschreiben senden können. Mittagessen: Rumpsteak mit Champignons und Schupfnudeln.

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28. Februar 2013 - U32 Große Sauerei

"U 32" bewegt sich kontinuierlich mit sechs Knoten, etwas weniger als 12 km/h, auf den äußersten Rand der Europäischen Kontinentalplatte zu. Das Wetter hat sich wieder etwas beruhigt und "U 32" geht auf Sehrohrtiefe, um den Dieselmotor zum Schnorcheln anzustellen. Aber der Öldruck bricht ein und das Aggregat lässt sich nicht starten. Aus dem Schalldämmmodul, in dem alles seinen Einbauort gefunden hat, was Lärm abstrahlt, meldet der schiffstechnische Unteroffizier, Obermaat Hans-Jürgen Zörner: „An den STO, der Ölfilter ist gerissen“, es haben sich weit über 40 Liter Motorenöl über die Flurplatten und den Luftverdichter verteilt. Eine große Sauerei, alles ist rutschig und glatt. Der schiffstechnische Offizier (STO), Kapitänleutnant Jörg Werner, eilt nach achtern, um sich vor Ort von der "Sauerei" einen Eindruck zu verschaffen.

Die Batterie ist schon ziemlich leer, es musste dringend geschnorchelt werden, denn Wasserstoff und Sauerstoff für das außenluftunabhängige Antriebssystem der Brennstoffzellenanlage sollen für wirklich schlechtes Wetter gespart werden. Der Eletronikmaat der Steuerbordwache, Obermaat Marcos Fiebiger, wird ebenfalls ins Schalldämmmodul geordert. Gemeinsamen „hauen die drei einen Schlag rein“. Es wird ganze Arbeit geleistet und innerhalb von einer Dreiviertelstunde ist ein neuer Ölfilter montiert, das Öl wieder aufgefüllt. Nur die "Sauerei" wird auch die nächste Fahrwache noch beschäftigen. „U 32“ steuert erneut Sehrohrtiefe an, der Dieselmotor wird gestartet und siehe da, alles läuft einwandfrei und die Fahrbatterie kann endlich geladen werden. Das Wichtigste, zum Mittagessen: Kotelett mit Steuerbord-Backbord Gemüse (Erbsen und Möhren) in Sahnesoße mit Kartoffelecken.

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U32 mit ausgefahrenem Sehrohr

U32 mit ausgefahrenem Sehrohr (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

27. Februar 2013 - U32 Auf nach Mayport, Florida

Heute ist der Auslauftag. Dieser ist von hektischer Betriebsamkeit geprägt: das Boot muss seeklar gemacht werden, die Hafentaschen müssen an Bord verstaut werden, Frischverpflegung, vor allem Obst, Gemüse und Salat werden noch kurz vor dem Auslaufen übernommen. So hat die Besatzung möglichst lange etwas davon. Zur besonderen Freude des Smuts, Obermaat Stefan Raddatz, hat der lokale Schiffsagent unreife, grüne Bananen geliefert, etwas, das in Deutschland kaum verfügbar ist. Auf den Azoren ist die Lieferung hingegen einfach, da hier, wie wir auf dem Ausflug lernen konnten, Bananen direkt vor Ort angebaut werden.

Um 9.30 Uhr treten die Besatzungen des "Main" und des Ubootes zur Musterung durch den Kommandeur Fregattenkapitän Sascha Helge Rackwitz an. Danach geht Besatzung Delta auf Manöverstation und "U 32" ist bereit zum Ablegen. Der Wind hat stark aufgefrischt, die Wellen brechen sich an der Außenmole und Gischt peitscht in die Höhe. Die seemännische Nummer eins, Obermaat Dominik Siebel, und das Personal auf dem Wintergarten, den Teil des Oberdecks hinter dem Turm bis zum Ruder, werden nass. Das Oberdeck und die Brücke werden daher noch im Hafen tauchklar gemacht, der Kommandant schließt das Turmluk und der 1. Wachoffizier fährt aus der Zentrale weiter, was aufgetaucht nur bei Schwerwetterlagen gemacht wird, aber genau diese hat "U 32" noch bis zum Verlassen der Portugiesischen Hoheitsgewässer hinter sich zu bringen. Denn erst dann dürfen wir den "Stöpsel ziehen" und in der Tiefe des Nordatlantiks unseren Transit nach Mayport, Florida in Ruhe fortsetzen. Bis dahin sind es allerdings noch 20 Tage oder 481 Stunden, 38 Fahrwachen und 80 Mahlzeiten. Heute mal schnell und lecker bei anstrengenden Auslauftagen: Spaghetti Bolognese.

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22. Februar - Tender Main Rendevous mit U32

Nach acht Tagen ist es soweit. Wir treffen unser Uboot, welches ja insgesamt schon 13 Tage unterwegs ist, wieder. Tagelang haben beide Einheiten über Fernschreiben oder Satellitenchat miteinander kommuniziert. Es wurde eine Position und Zeit ausgemacht, an der wir uns vor Ponta Delgada treffen wollten, um gemeinsam als Verband einzulaufen. Der Tender hatte aufgrund des schlechten Wetters noch einen kleinen Schlenker Richtung Süden gemacht, um nicht direkt durch das Schlechtwettergebiet zu fahren. Nichtsdestotrotz hatten wir fünf bis sechs Meter hohe Wellen abarbeiten müssen. Auf einem Uboot hat man die Gelegenheit dem Wetter auf Tiefe zu begegnen und hat damit nicht solche Probleme, wie wir hier Überwasser.

Das Uboot hat uns schon auf große Entfernung kommen hören. Es hat dann mit dem Unterwassertelefon Kontakt zu uns aufgenommen. Kurz vor Erreichen unserer Rendezvousposition hat "U 32" einen grünen Bold geschossen. Der Bold ist Signalmunition für den Unterwasserausstoß, der mit mit Druckluft ausgestoßen wird. Nach dem Schuss steigt der Bold an die Wasseroberfläche auf und schießt dort einen grünen Stern in den Nachthimmel schießt. Das Signal bedeutet in einer Übung, dass das Uboot einen Torpedo geschossen hätte. In diesem Fall zeigt es die Position das Bootes. Und da, ein zweiter Bold - nach kurzer Absprache über Funk taucht das Uboot auf.

Der Tender "Main" macht planmäßig um halb neun Ortszeit in Ponta Delgada fest. Das Uboot folgt eine Stunde später. Nach Ankunft geht alles routiniert: Es wird aufgetankt, der Müll geht von Bord, Verpflegung wird übernommen und einige andere Dinge wandern aus den Containern des Tenders auf das Uboot. Alle packen mit an. Nachdem die Arbeiten soweit erledigt sind, fahren die "Uboot-Jungs" mit Kleinbussen in Ihre Unterkunft. Da an Bord eines Ubootes nicht für alle Besatzungsmitglieder gleichzeitig genügend Kojen vorhanden sind, schlafen die Ubootfahrer im Auslandshafen in der Regel in Hotels oder Militärunterkünften. Für die Tenderbesatzung endet der Tag mit einer Feierabendmusterung und dem wohl verdienten Einlaufbier.

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22. Februar 2013 - U32 Erholung in Sicht

Nach nunmehr zehn Tagen ununterbrochen getauchtem Transit freut sich die gesamte Besatzung Delta auf das Auftauchen am nächsten Morgen. Das Sturmtief ist über uns herübergezogen, so dass der letzte Teil des Transits wieder im aufgetauchten Zustand und somit für alle gut erträglich werden soll. Nach so einer langen Tauchfahrt freuen sich besonders unsere Raucher diebisch auf ihre erste Zigarette. Warum, sobald das Turmluk auf ist und die Brücke frei ist, alle Raucher nach zehn Tagen Entwöhnung trotzdem sofort zur Zigarette greifen und keiner es schafft aufzuhören, bleibt ein unlösbares Rätsel. Insgesamt 13 Tage in See liegen nun hinter der Besatzung Delta und morgen werden wir in den Hafen Ponta Delgada auf den Azoren einlaufen. Dies wird dann auch die erste Gelegenheit nach dem Auslaufen aus Eckernförde sein, wieder mit den Lieben in der Heimat Verbindung aufzunehmen, um mit Ehefrauen, Kindern bzw. Freundinnen zu sprechen. Das wird sich natürlich keiner entgehen lassen.

Die Besatzung Delta meldet sich zur Erholung, Tanken bis zum 27. Februar ab, um dann in gewohnter Weise vom weiteren Reiseverlauf "U 32" zu berichten.

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U32 in rauer See

U32 in rauer See (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

21. Februar 2013 - U32 Luft holen bei rauer See

Der Seegang ist rau im Nordatlantik. Von den Azoren wälzt ein Sturmtief über "U 32" und die Besatzung Delta hinweg und bereits bei einer Tauchtiefe von 60 Metern wiegt sich "U 32" leicht hin und her. Das verheißt nichts Gutes. Denn in den nächsten Minuten wird "U 32" Sehrohrtiefe ansteuern, um dicht unter der Wasseroberfläche mit dem Schnorchel und dem Dieselaggregat das Boot durchzulüften und die Batterie zu laden. Hier ist es bei entsprechendem Seegang auch für ein Uboot der Klasse 212 A sehr ungemütlich. Zur Ausbildung darf der Erste Wachoffizier (IWO), Kapitänleutnant Wortmann, die Sehrohrtiefe ansteuern. Ein kritischer Moment, da "U 32" die Sicherheitstiefe verlässt. Auf dieser Tiefe können Fahrzeuge, mit Ausnahme von Fischern, die ein Netz hinter sich herschleppen, dem Uboot nicht gefährlich werden. Auf Sehrohrtiefe muss ein Uboot hingegen jedem Fahrzeug ausweichen.

Auf den Befehl „Schnell auf Sehrohrtiefe gehen“ verlässt "U 32" die sichere Tiefe und schießt hoch auf Sehrohrtiefe. Das Sehrohr wird ausgefahren. „In der Wasserlinie – durch“. Der IWO am Sehrohr nimmt einen schnellen Rundumblick und gibt ins Team: „Nahbereich ist frei, im schnellen Rundumblick ein Fahrzeug gesehen“. Die Anspannung sinkt, denn sollte das Sonar ein Fahrzeug im Nahbereich auf der sicheren Tiefe nicht gehört haben, wären nur wenige Sekunden Zeit schnell die sichere Tiefe anzusteuern. Es herrschen Wellenhöhen von sieben Metern und mehr. "U 32" krängt mehr als 30 Grad nach Steuerbord und Backbord, die Ausfahrgeräte werden ständig überspült.

Trotzdem muss geschnorchelt und gefunkt werden. Nun schlägt die Stunde der Rudergänger, denn der automatische Ruderbetrieb ist für diese Verhältnisse nicht mehr ausgelegt. Oberleutnant zur See Sommer, Oberbootsmann Barz, Oberbootsmann Koerschgen und Obermaat Bleu müssen großes leisten, um das Boot auf Sehrohrtiefe zu halten. Sie müssen versuchen, die durch den Seegang verursachten Bootsbewegungen vorauszuahnen, denn jedes Mal, wenn der Schnorchel überspült wir, bildet sich Unterdruck im Boot, der erst wieder abgebaut wird, wenn der Schnorchel wieder frei kommt.

Trotz der sehr guten Leistungen der Rudergänger, schließt immer wieder das Schnorchelkopfventil und es entsteht Unterdruck. Mit der Ankündigung „Druckausgleich“ über die Schiffslautsprecher, weiß jeder, nun steigt der Innendruck wieder rapide an. Unter Ubootfahrern wird dieser Vorgang auch liebevoll „Gymnastik für die Trommelfelle“ genannt. In der Freiwache schläft bei diesen Verhältnissen auf Sehrohrtiefe kaum noch einer. Auf den Befehl „Schnorchelfahrt beenden“ wiederholt die Fahrwache diesen daher besonders inbrünstig. Für den Smutje war es heute gar nicht so einfach unser Mittagessen, Rinderbraten mit Blumenkohl und Kartoffeln, zu zaubern.

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Mehrere Marinesoldaten stehen auf der Brücke eines Schiffes.

Wetterunterricht auf dem Tender Main (Quelle: PIZ Marine)

21. Februar 2013 - Tender Main - Raue See

Eine Woche ist seit dem Auslaufen aus dem Heimathafen vergangen und langsam aber sicher nähert sich der Tender „Main“ der Azoreninsel Sao Miguel. Die Vorfreude auf Ponta Delgada und seine vulkanische Umgebung steigt. Doch zwischen uns und unserem ersten Zwischenstopp liegt ein Tiefdruckgebiet, dessen Ausläufer uns schon seit zwei Tagen zusetzen.

Während einige Besatzungsmitglieder ziemlich unter der Dünung mit zunehmendem Wellengang leiden, ist Kapitänleutnant der Reserve Thomas L., ganz in seinem Element. „Tiefdruckgebiete sind deutlich interessanter als Hochdruckgebiete – da passiert viel mehr“, sagt der 48-jährige Meteorologe strahlend. Wenn er nicht gerade an Bord einer Marineeinheit eingeschifft ist, arbeitet er als Wetterberater im Marinefliegergeschwader „Graf Zeppelin“ in Nordholz. Die Seefahrt ist für ihn und seinen Mitarbeiter eine willkommene Abwechslung vom Arbeitsalltag am Schreibtisch. Auf die Frage, ob ihm das Schaukeln des Bootes nichts ausmacht, antwortet L. mit einem verschmitzten Lächeln und zeigt auf das Reisepflaster hinter seinem Ohr.

Auch die restliche Besatzung bereitet sich auf das „Rendezvous“ mit dem Tiefdruckgebiet vor. Noch einmal wird alles Material an Bord seefest verzurrt, um bei Wellenhöhen von bis zu acht Metern nicht zum gefährlichen Geschoß zu werden. Das Oberdeck ist bis auf Weiteres gesperrt, und auch das für den Nachmittag vorgesehene Großreinschiff wird in weiser Voraussicht auf den Folgetag verlegt. Als Tageshighlight soll es zum Abendbrot Spaghetti Bolognese geben. Es bleibt abzuwarten, wem bis dahin nicht doch noch der Appetit vergangen ist... Das Team der Kantine, in der sich die Mannschaft mit kleinen Leckereien wie Eis und Schokolade versorgen kann, ist jedenfalls optimistisch. „Stürmt es auch noch so doll, die Kantine ist immer voll!“, tönt es durch den Lautsprecher durchs Boot und sogleich bildet sich eine Schlange magenfester Kameraden vor dem kleinen Verkaufsfenster.

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20. Februar 2013 - U32 Geburtstag auf See

Zur Überraschung kam heute mal wieder ein Fahrzeug in Sicht. Ein großer Tanker hat die Transitroute von „U 32“ gekreuzt. Das Sonarteam erkannte als erstes eine Geräuschspur in einer der grünen Wasserfalldarstellungen auf dem Monitor, schon lange bevor der Tanker in Sicht kam. Die Erkenntnis kommt zurück, dass es außer uns, einer Menge von detektierbaren Fischschwärmen und Meeressäugern, auch wirklich noch andere Menschen in diesem Teil des Atlantiks gibt.

Auch heute hat Besatzung Delta wieder ein Geburtstagskind an Bord, Oberleutnant zur See David Kostewicz. Der Wachoffizier feiert heute seinen 28. Geburtstag in See. Und schon am Abend zuvor hat der Steuermann, Hauptbootsmann Sebastian Junior, bewaffnet mit seinem Backbuch, Posten in der Kombüse bezogen. Dieses Mal versucht er sich an zwei Käsekuchen, mit und ohne Rosinen.

Bei so viel gutem und immer verfügbarem Essen auch außerhalb der Mahlzeiten hat der eine oder andere Angst um seine gute Figur. Denn mit den obligatorischen 200 Schritten pro Tag, mehr absolviert der Durchschnitt wirklich nicht, legt jeder irgendwann zu. Hier bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder man lässt bewusst eine Mahlzeit ausfallen oder man treibt Sport. Leider wurde bei der Konstruktion der Uboote 212 A der Spa- und Fitnessbereich irgendwie vergessen. Deshalb hat Besatzung Delta sich kurzer Hand eine Ecke zur körperlichen Ertüchtigung im Propellermotorenraum eingerichtet. Es steht ein Trimmrad, eine Rudermaschine und ein Stepper zur Verfügung. Und man mag es nicht glauben, aber hier herrscht in der Freiwache so großer Andrang, dass mittlerweile ein Belegungsplan erstellt werden musste.

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Wartungsarbeiten auf dem Uboot in dem Torpedorohr. Ein Soldat in blauen Gefechtsanzug schaut aus einem Torpedorohr.

Wartungsarbeiten oder Rückzugsraum am/im Torpedoraum? (Quelle: Bundeswehr)

19. Februar 2013 - U32 Gemütliche Fahrt

Heute ist für die Besatzung der neunte Tag auf See. Mit ungefähr sechs Knoten knapp 12 Km/h, also einem sehr gemütlichen Fahrradtempo, taucht "U 32" dem ersten Hafen auf den Azoren entgegen. Das tägliche Üben von Notsituationen, wie Feuer im Schiff, Wassereinbruch, Verletztenbergung und Behandlung oder auch das Versagen der Ruderanlage, lockern den Tagesablauf auf.

Die Sonaroperateure horchen angestrengt, aber finden kaum Geräusche anderer Fahrzeuge, der Ozean wirkt wie leer gefegt, in diesem wenig befahrenen Teil des Atlantiks, fernab von den Hauptschifffahrtsrouten. Der Kommandant hat einen Preis ausgelobt, der durch die Fahrwache gewonnen wird, die den Tender "Main" als erstes detektiert (hört bzw. auffasst). Der Tender hat am 15. Februar Eckernförde verlassen und wird "U 32" vor dem Einlaufen in Ponta Delgada treffen und von da an, über die gesamte Zeit begleiten.

Bei dem Gedanken an die Transitgeschwindigkeit des Tenders kommt bei dem einen oder anderen Neid auf, doch bei Blick auf die Wettervorhersage und die aktuelle Wellenhöhe ist dieser genauso schnell verflogen, wie er gekommen ist. Denn auf unserer Reisetauchtiefe merkt man von Wind, Wellen und Regen gar nichts. Lediglich während des Schnorchels, also dem Laden der Fahrbatterie mit dem Dieselaggregat, ist "U 32" so Dicht unter der Wasseroberfläche, dass der herrschende Seegang ein Störfaktor in unserer sonst so kleinen und beschaulichen Welt darstellt.

Immer wieder ein Tageshöhepunkt, das Mittagessen. Heute steht Fischfilet an Reis auf einem Erbsenbett auf dem Speiseplan.

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Arbeitsplatz des Smutje, die Kombüse.

Arbeitsplatz des Smutje, die Kombüse. (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

17. Februar 2013 - U32 im Atlantik

Der Blick auf die Seekarte verrät, dass "U 32" nun endgültig über den europäischen Festlandsockel hinweggetaucht ist und sich auf dem direkten Weg zu den Azoren befindet. Auch der abgesteckte Kurs ist eine lange Gerade in der Seekarte. Bis zum Einlaufen in den Hafen von Ponta Delgada am kommenden Wochenende wird es kaum noch Kursänderungen geben. Heute ist Sonntag und im Prinzip unterscheidet sich dieser Tag in See von keinem anderen Tag. Aber eben nur im Prinzip.

Zum Frühstück gibt es Eier. Entweder gekocht, gespiegelt oder gerührt, so dass die Besatzungsmitglieder jetzt wissen: es muss Sonntag sein. Der erste komplette Sonntag in See wird seinen gewohnten Gang nehmen. Die Sonntagsroutine bedeutet für eine Ausbildungsfahrt, dass auf Rollendienst verzichtet wird. Spätestens zum Mittagessen ist allen klar, wenn es etwas Besonderes gibt, dass ist kein normaler Murmeltiertag. Im Bordjargon ist ein Wochentag auf dem Transit wie ein Tag aus dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Der Protagonist, gespielt von Bill Murray, durchlebt einen Tag in seinem Leben Tag für Tag erneut.

Nach dem Frühstück ist vor dem Mittagessen. Der Smutje arbeitet durch und hat Rindfleisch zu leckeren "Rouladen auf Rotkohl mit Klößen" gedreht.

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16. Februar 2013 - U32 Feuer an Board

Aus den Bootslautsprechern dröhnt es: "Zur Übung Feuer im Schiff, es brennt das Atemluftüberwachungsgerät zur Übung." Mit diesen Worten wird die Steuerbordwache aus dem Schlaf gerissen. Die Zeit läuft, denn nun ist Geschwindigkeit gefragt. Jeder der Freiwache stürzt in den immer griffbereiten Bordgefechtsanzug, der Brandabwehrtrupp legt einen speziellen Feuerschutzanzug an. Hauptbootsmann Babinsky, der elektrotechnische Meister an Bord, muss als Erster an den simulierten Brandherd, denn er ist der Leiter am Einsatzort, der in Absprache mit dem schiffstechnischen Offizier alle erforderlichen Maßnahmen einleitet und veranlasst.

Er wird schnell gearbeitet, jeder Handgriff sitzt und das muss auch so sein, denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Feuerlöschschläuche werden ausgebracht, der Verbandsplatz wird für eine Verletztenbehandlung vorbereitet. Jeder weiß genau was zu tun ist, präzise wie ein Uhrwerk greifen alle Handlungen ineinander. Der Brandabwehrtrupp trifft am Schadensort ein und das Feuer kann gelöscht werden. Nun ist das Bootsinnere stark verqualmt. Die Besatzung atmet simuliert aus der Atemnotluftanlage, eine installierte Ringleitung, die aus Pressluftflaschen gespeist wird und immer saubere Atemluft bereithält.

"U 32" steuert unterdessen Sehrohrtiefe, eine Tauchtiefe auf der mit dem Schnorchel, nach dem Anstellen des Dieselmotors, Frischluft von der Oberfläche gegen die Bootsluft ausgetauscht werden kann. Es wird geschnorchelt.

Der Kommandant, Korvettenkapitän Moritz, ist zufrieden. Er befiehlt: "Alle Rollen zur Übung beenden, Stationen aufklaren. Schnorchverschlusszustand herstellen." Als Belohnung gibt es das Mittagessen: Schweinelendchen auf grüne Gorgonzolatagliatelle mit Blumenkohl.

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Ein Uboot über Wasser auf See.

Fahrt aufnehmen (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

15. Februar 2013 - U32 die Franzosen kommen

Es ist 9 Uhr Bordzeit und "U 32" befindet sich in der keltischen See. Für heute steht neben dem alltäglich gewordenen Rollendienst, das Üben von Notsituationen wie Feuer im Schiff oder Wassereinbruch, eine Übung mit zwei französischen Seefernaufklärern vom Typ "Breguet Atlantique" auf dem Programm. Diese Flugzeuge sind speziell für die Uboot-Jagd entwickelt. Mit einem hochauflösendem Radar, Sonarbojen die vom Flugzeug abgeworfen werden und der Überwachung des Erdmagnetfeldes kann ein Uboot aufgespürt und im Ernstfall mit Torpedos bekämpft werden. Eine willkommene und anspruchsvolle Vorbereitung für das Manöver an der Ostküste der USA. In der Zentrale von "U 32" herrscht angespannte Ruhe, das Sehrohr durchbricht immer wieder für wenige Sekunden die Wasseroberfläche, denn "U 32" muss den Flugzeugen die Chance geben, das Boot auch zu finden.

Doch lange geschieht nichts. Es vergehen 20, 30 Minuten ohne Anzeichen, dass der französische Flieger in der Nähe ist. Schon treten erste Zweifel auf, ob die Breguet überhaupt gestartet ist. Nach weiteren zehn Minuten wird der Radarmast ausgefahren und das Radar wird in Betrieb genommen, um so den Übungsgegner anzulocken. Schließlich ist Übungszeit rar und auch das entweichen nach erfolgter Erfassung durch den Übungsgegner muss trainiert werden. Nun ist es schon 9.45 Uhr und plötzlich gibt die Überwachung des elektromagnetischen Spektrums den Hinweis darauf, dass der französischen Uboot-Jäger in der Luft ist. Der Elektronikoffizier, Oberleutnant zur See Sommer, meldet: "MPA in Zwo Drei Vier". "U 32" wartet noch fünf Minuten, um sicher zu gehen, dass der Flieger eine ungefähre Position ermitteln kann.

Danach geht es schnell. Der Radarmast und das Sehrohr fahren ein und nach 30 Sekunden ist "U 32" von der Oberfläche verschwunden und versucht sich abzusetzen. Die ersten von Sonarbojen gesendeten aktiven Sonarimpulse peitschen durch das Wasser und alle warten auf das erste Angriffssignal. Schon ertönt das bekannte Schallsignal. Zur Überraschung aller ging der erste Angriff daneben, nicht getroffen. Das Ausweichmanöver scheint Erfolgreich gewesen zu sein, zumindest vorerst. Doch auch die französische Aircrew hat noch einige Tricks und es fallen neue Sonarbojen. Dicht, zu dicht, diesmal ist der Angriff erfolgreich. Die Finte wurde bemerkt, jetzt wird es schwer wegzukommen. Die Tiefe wird geändert, ein Haken geschlagen und auf einmal herrscht wieder Ruhe in der keltischen See. War das Ausweichen erfolgreich? Vermutlich, denn die Sonarbojen suchen nun an der falschen Stelle in diesem großen Seegebiet.

Pünktlich zum Übungsende gibt es das Mittagessen: Der Smutje überrascht die Crew mit Putenbrust auf Currymangosoße, Kroketten und Brokkoli.

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Tender Main auf See

Tender Main (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

15. Februar 2013 - Tender Main

Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt gibt die durchbrechende Sonne einen kleinen Vorgeschmack auf das Fahrtziel des Tenders, der heute seinen Heimathafen in Eckernförde verlässt. Nach einem Zwischenstopp auf den Azoren ist Florida das Etappenziel der langen Reise über den winterlichen Atlantik – ein echter Lichtblick.

Ziemlich beeindruckend wirkt die Menschenmasse, die uns von der Pier aus zuwinkt, während wir ganz langsam die Molenköpfe unseres Heimathafens passieren. Das Marinemusikkorps spielt „Muss i denn zum Städtele hinaus.“ Viele von uns werden ihre Lieben erst Ende August wiedersehen. Entsprechend tränenreich war der Abschied von den Angehörigen, die zum Teil schon in den letzten Tag aus ganz Deutschland angereist sind. Die Ergriffenheit nimmt allmählich ab als der Tender die Eckernförder Bucht hinter sich lässt – erst einmal durchatmen.

Besonders überwältigt vom Auslaufzeremoniell ist Oberstabsfeldwebel Anke W. Die Narkosefachschwester wird die Besatzung des Tenders über den Ozean begleiten und zur Stelle sein, wenn im Fall der Fälle eine Operation durchgeführt oder ein schwer verletzter Patient betreut werden muss. „So ergreifend habe ich mir unsere Verabschiedung und die ersten Stunden an Bord nicht vorgestellt“, sagt die Heeressoldatin aus Ulm, der in den nächsten vier Wochen Seebeine wachsen sollen.

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Noch über Wasser Richtung offene See.

Noch über Wasser Richtung offene See. (Quelle: PIZ Marine)Größere Abbildung anzeigen

10. Februar 2013 - die Große Fahrt

Das UBoot "U32", der Klasse 212A, verließ heute den Marinestützpunkt Eckernförde. Ziel der Mission ist die amerikanische Ostküste. Dort nimmt die 28-köpfige Besatzung um Korvettenkapitän Christian Moritz gemeinsam mit einem Trägerverband der US-Navy an der Übung "Westland Deployment" teil.

Nach einem Tankstopp in Ponta Delgada, Azoren, wird die Fahrt in das Seegebiet östlich der Vereinigten Staaten fortgesetzt. Am 15. Februar 2013, fünf Tage nach Auslaufen des UBootes, wird der ebenfalls zum 1. UBootgeschwader gehörende Tender "Main", unter dem Kommando von Korvettenkapitän Carsten Egerland den Marinehafen von Eckernförde verlassen, um dann ab Ponta Delgada gemeinsam mit "U32" die ca. 20-tägige Fahrt anzutreten.

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Donnerstag, 17. April 2014

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